Mit
dem Bauprojekt einer dem heiligen
Johann von Nepomuk, dem Schutzheiligen der Moldauer Heiligen-Johann-Ströme, der Schiffbauer, Flößer, Schiffer, Müller
und Beichtvater geweihten Kirche wurde Kamil Hilbert, Architekt, ein überaus
berufener Mann, Antragsteller für
Nachbau des Prager St.-Veits-Doms beauftragt. Der architektonische Aufbau
der Kirche von ©tìchovice
ist einwandfrei und vereinzelt. In manchen Veröffentlichungen
gilt er als Vorbild des Neu-Jugendstils. Heute bewundern wir und sehen gerne
das seinerzeit kontrovers betrachtete „ungleichartige Allerlei“, das sowohl
Jugendstil- als auch Antikeleganz mit byzantinischen Motiven vereinigt und,
zusammen mit romanischem und Renaissance-Baustil, eine Harmonie
unterschiedlicher Zeitmerkmale zwecks Verherrlichung des
Vielfalt-in-Einfachheit-Prinzips, zur Verherrlichung Gottes bildet.
Ein aus ganz bescheidenem Budget (210.000 Kronen einschl. Pfarrhaus) erbautes Gotteshaus harmonisiert gefühlvoll mit der umliegenden Moldaulandschaft. Der Kirchenbau liegt inmitten einer Anhöhe, und Kirchendachabstufung ähnelt der Struktur der dahinten liegenden, einer Horizontlinie entlang laufenden Hügel. Die Dom-Hauptfassade liegt in Richtung Gemeindezentrum.
Das Mauerwerk der Kirche
besteht aus Vollziegeln mit Außen- sowie Innenputz
.
Das Fundament ist aus Betonstreifen ausgebildet, Mäste sowie vertikale
Konstruktionen und Gewölbe aus monolithischem Eisenbeton.
Biberschwanzziegeln liegen auf dichtem Lattenrost und Holzdachstuhl. Die zur
Jugendstilzeit beliebte Asymmetrie kommt neben der Kirchenraumausstattung
auch in Anordnung des Turmes zur Geltung. Zu den charakteristischen
Jugendstilmerkmalen zählt ebenfalls das einfache, bei Turmkonstruktion
angewandte Bauprinzip einer sukzessiven Massenabnahme in vertikaler
Richtung. Einfacher bis strenger Rohbau steht im Fassadenbereich im Kontrast
mit einer Vielzahl von sandsteinartigen Zierelementen: von
normalen Steinmetzarbeiten
wie Sims- und Bossenquaderteile, über Fensterleibungen mit Säulen, Portale,
Giebelumfassungen und –strukturierungen bis hin zu Plastiken. Die Grundmauer
ist mit Bruchstein verkleidet, welcher auch als Pflasterstein für
einen der Kirche entlang verlaufenden Gehstreifen verwendet wurde. Die
Bauunternehmer waren Gebrüder Kavalír aus Prag, Steinmetzleistungen wurden
von Josef Chudoba durchgeführt.
Das
oberhalb des Haupteingangs (an der westlichen Kirchenseite, heutzutage
selten begehbar) stehende Portal besitzt eine üppige plastische Verzierung.
Über dem
Eingangsportal befindet sich
ein Sandsteinrelief Brustbild des heiligen Johann von Nepomuk vom Bildhauer
Èenìk
Vosmík. Im
Giebelbereich des Hauptschiffes kommt dem tiefgehauenen Relief einer Pieta
mit zwei knienden Engeln eine dominierende Stellung, einem Werk von Vojta
Sucharda, dem Verfasser von weiteren Fassadenzierelementen: Pelikan, seine
Jungen (mit seiner Blut) fütternder
Pelikan (ein Christi-Motiv), „KH“-Initialen des Bildhauers mit Jahresangabe
1912. Es sind weiterhin zwanzig das Dachsims bildende Kragsteine (die sog.
Gewölbesteine) mit zoomorphen und anderweitigen Motiven an der nördlichen
Gebäudeseite
bemerkenswert. Am südwestlichen
Eckfirst ist ein
prismaförmiger Turm mit Wasserspeiern angeordnet. Das Turmfenstergeländer
ist mit Evangelistensinnbildern verziert (menschliches Gesicht, Adler,
Stier- und Löwenkopf). Die von Vojta Sucharda, dem Autor der
Fassaden-Zierelementen, verfassten Figurenschnitzwerke prägen das gesamte
Erscheinungsbild der inneren Kirchenausstattung.
Der Kirchendisposition ist einfach. Der Hauptraum besteht aus einem basilikaartigem Drei-Schiff-Bau mit angeschlossenem eckförmigem, mir drei Apsiden abgeschlossenem Priesterraum. Die Bauweise kombiniert einen im Mittealter üblichen Südeingang mit westlichem Mehrfacheingang. Der vom Friedhof aus gelegte Nordeingang (12) ist in den ursprünglichen Bauentwürfen dokumentiert.
Durch den Haupteingang
betreten wir die westliche Vorhalle (1), die den Charakter einer romanischen
Kirche trägt. Ein gemauertes Chor mit pneumatischer Orgel, Fabrikat Hubièka
(Prag-Hole¹ovice) ist mit massiven Pfeilern und Mästen abgestützt. Hierdurch
treten wir in das Hauptschiff des Domes ein. Das
Hauptschiff (2) lässt
an den pseudoromantischen Stil erinnern: mit Flachdecke, geteilt in vier
dreiteilige Felder, beleuchtet mit basilikaartigen Fenstern, durch die das
Hauptschiff über Dächer der seitlichen Schiffe hinausschaut. Die
Dach/Fenster-Trennstellen bestehen aus Säulenarkaden mit Zierkapitellen von
Sucharda, die Antike und Rankenwerkkompositionen des Jugendstils vereinen.
Die Nebenschiffe besitzen ein Dreifeld-Kreuz-Kappengewölbe mit Lünette, das an den romantischen Stil erinnert. Von einzigartiger Wirkung ist die Oberflächengestaltung von Gewölben und Säulen der Nebenschiffe – einfache unverputzte Betonflächen, an denen stellenweise nicht nachgearbeitete „Schalungsbilder“ erkennbar sind. Große seitliche Mosaikfenster mit Darstellungen der böhmischen Heiligen (links) und des heiligen Joseph (rechts).
Das
Presbyterium (3) ist mit einer einzigen Stufe und einem „Arc de Triumphe“
mit Lammmotiv von dem Hauptschiff getrennt. Linksseitig befindet sich eine
einfach verzierte, auf einer Säule aufgebaute Kanzel (nach dem
ursprünglichen Entwurf von K. Hilbert). Hilbert hat auch das massive
„Ewiglicht“ entworfen, welches – wie auch die anderen Metallschmuckelemente
am Mobiliar – aus der Werkstatt der Firma Aný¾
stammen. Weitere drei Stufen befindet sich der Hauptaltar
(4) mit einer Holzbüste des
heiligen Johann von Nepomuk (Autor: Sucharda), einem abnehmbaren Kreuz
oberhalb des Sakramenthäuschen und Holztafeldarstellungen von vier
Evangelisten. Die Außenflügel sind auf Angeln aufgehängt, wodurch der Alter
zu Fastnachtszeiten „geschlossen“ werden kann. Die mittig des Hauptalters
angeordnete Sakramentshäuschentüren sind mit holzgeschnittenen Darstellungen
von Brot, Weintrauben und der griechischen Buchstaben Alpha und Omega
versehen. Der Altar stammt aus der Holzschnitzerei Václav Mráz. Der
Hauptaltar sowie Presbyteriumsdekorationen und Apsiden lassen an
byzantinische Kunst erinnern. Der Altarbehang (Antependium) ist entsprechend
dem Hilberts Entwurf mit einen Relief der aus einem Kelch trinkenden Pfaue
versehen. In den ovalförmigen Mosaikfenstern im Apsidenbereich treffen wir
erneut evangelische Symbolenmotive.
Auch in Apsidenbereichen der Nebenschiffe findet man wunderschöne Holzaltare. Figurale Altarschnitzereien stammen wiederum aus der Werkstatt von V. Sucharda, die Gemälden von Artu¹ Scheiner. In dem linken Nebenschiff (5) findet man einen Marienaltar (6). Unter den Altargemälden von Maria mit Jesuskind auf dem Schoß, Aposteln und Engeln (typische „gedehnte“ Jugendstilgestalten von weiblichen Engeln) können wir auf der rechten Seite den Kirchenfundator Matìj Rada mit Engel und Kirchenturmdarstellung sehen.
In Apside des rechten
Seitenaltars des heiligen Kreuzes (8) ist ein „verschließbares“
Gemälde
bemerkenswert, das den toten Christus in dem sog. Gottesgrab darstellt.
Im Altarbehang (Antependium) des rechten Seitenaltars lässt man zum zweiten
Mal das Motiv der aus einem Kelch trinkenden Pfauen sehen, diesmal als
Malerwerk. Im Anschluss an den rechten Nebenschiff (7), in einem intimen,
direkt unterhalb des Kirchenturmes liegenden Bereich, ist das Baptisterium
(9) mit einem einzelartigen, massiv ausgestalteten Taufbecken aus Stein
imitierendem Stauchbeton untergebracht. Ornamentale Zierelemente des
Taufbeckens entstammen ebenfalls aus der Bildhauerwerkstatt von V. Sucharda.
Der Baptisteriumsraum ist mit zwei ovalförmigen Stabwerkfenstern beleuchtet:
das nach Süden gelegte Fenster enthält eine Rosette, das nach Westen gelegte
Fenster ein mittig angeordnetes Christigesicht-Relief (von der Außenseite
her sichtbar).
Das rechte Kirchenschiff verlassen wir entweder durch eine mit Heizkammer mit Schornstein verbundene Sakristei (10) oder einem gezierten Tauchwasserbecken entlang im südlichen Vorraum (11) mit massiven mit Zierköpfen von Sucharda abgeschlossenen Säulen in Richtung Pfarrhaus. Dem ursprünglichen Bauentwurf nach sollte das Pfarrhaus mit diesem Kircheneingang durch einen verschlossenen Gang verbunden werden.
Die dekorative, im Entwurf des Architekten vorgesehene Innenausstattung wurde von dem Maler Franti¹ek Frölich durchgeführt. Pflanzliche und geometrische dekorative Jugendstilmotive sind von einer Säule zu der anderen, von einer Arkade zu der anderen unterschiedlich ausgeführt. Die pflanzlichen Motive der Innenmalereien, ausgeführt im Grün-Orangen-Kontrast und verstärkt durch die vorherrschenden Innenraum-Lichtverhältnisse und Dekoration des Hauptaltars, rufen eine byzantinische Reminiszenzen hervor.
Der Boden in allen Kirchenschiffen sowie Vorräumen liegt in einer Terrazzo-Ausführung vor (Zementmosaik aus geringen Steinbrüchen).
Am Kirchenmantel sind zwölf kleine Zierkreuze mit vergoldeten Mittelpunkten zu sehen. Über einigen Zierkreuzen befinden sich Kreuzesweggemälden, die zur Suche nach gegenseitigen Zusammenhängen anregen. Die vergoldeten Mittelpunkte sind jedoch Stellen, die der weihende Kardinal Leo von Skrbenský bei einer Konsekration mit Heiligöl geschmiert hat. In der Hilbert´s Hinterlassenschaft ist ein detaillierter Entwurf eines Kreuzeswegs erhalten geblieben, welcher jedoch nie realisiert worden war. Der bestehende Kreuzesweg wurde der Kirche im Jahre 1944 von der Basilika des heiligen Wenzeslaus (Prager Smíchov) gewidmet. Hierdurch wurden die ursprünglichen Farbendruckgemälden eines Kreuzeswegs ersetzt, die aus gesammelten Mitteln im Jahre 1925 beschafft worden waren.
Im Jahre 1944 erfolgte eine Kirchenelektrifizierung. Es wurden elektrische Beleuchtung, Versorgungsleitungen für das Glockenwerk (die Glocken werden jedoch bis heute manuell bewegt) und elektrische Heizung (bis heute jedoch keine Heizwirkung) installiert.
Zur
Zeit besitzt die Kirche nur zwei Turmglocken. Von den einstweiligen vier,
der Jungfrau-Maria-, Heilig.-Mathias-, Heilig-Johann-von-Nepomuk-Glocke und
einer Sterbeglocke ist nur die zuletzt genannte erhalten geblieben; sie ist
unbeschlagnahmt und unverschmolzen davongekommen, was die anderen Glocken in
der ersten bzw. zweiten Weltkriegszeit betroffen hat. Im Jahre 1978 ist nur
noch eine neue Jungfrau-Maria-Glocke dazugekommen.
In Architektonik und Baugestaltung hat das Pfarrhaus sein Vorbild im Kirchenhaus. Das Pfarrhaus liegt südwärts vom Dom und ist mit einem im Südost-Eckbereich des Grundstücks angeordneten Garten verbunden. Die Bauzeit des Pfarrhauses schließt sich derer der Kirche an und es wurde das gleiche Baumaterial eingesetzt wie auch verzierende Steinmetzarbeiten, die hier jedoch nur auf das Balkonportal eingeschränkt sind. Im Bauprojektrahmen des Sakralkomplexes wurde auch ein mit Mauer umschlossener Friedhof nördlich der Kirche angelegt, dem später eine Anpflanzung von Bäumen (meistens Linden) entsprechend der Gebäudengeometrie gefolgt hat.
…der Kardinal Leo von Skrbenský hat diesem vom gefälligsten Dominator Matìj Rada eingeleiteten Werk die Krone gesetzt: er konsekrierte und überbrachte seinen Stiftungsdom zu Dienste Gottes öffentlich. Es geschah am 23. Oktober 1915, an einem für ©tìchovice hochdenkwürdigen und unvergesslichen Tag, unter einer vielköpfigen Teilnahme von Klerus und Gläubigern.
Wollte der Dom für ewige Zeiten stehen und Auftakt eines goldenen Zeitalters von ©tìchovice werden!
(Auszug aus einer Gedenkurkunde zur Ehre der Kirchenkonsekration)
Grundriss der Kirche des heiligen Johann von Nepomuk

| 1) | Westlicher (Haupt)Eingang mit westlichem Vorraum |
| 2) | Hauptschiff mit einer (Pseudorenaissance)-Flachdecke |
| 3) | Presbyterium |
| 4) | Hauptaltar mit Sakramenthäuschen und Büste des Heiligen Johann von Nepomuk, Patron |
| 5) | Linkes Nebenschiff mit einer pseudoromantischen Bogendecke |
| 6) | Seitlicher Marienaltar mit Abbildung des Fundators Matìj Rada |
| 7) | Rechtes Nebenschiff |
| 8) | Seitlicher Altar des Heiligen Kreuzes mit einem „Gottesgrab“ |
| 9) | Baptisterium mit einem Betontaufbecken (unterhalb des Kirchenturmes) |
| 10) | Sakristei mit Heizkammer und Schornstein |
| 11) | Südlicher Eingang mit südlichem Vorraum (in Richtung Pfarrhaus gelegt) |
| 12) | Nördlicher Eingang (in Richtung Friedhof gelegt) |
Geschichte der Kirche des Heiligen Johann von Nepomuk in ©tìchovice in Daten:
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1853 |
Der Kirchenfundator Holzhändler Matìj Rada stirbt und vermacht 20.089 Goldene und 37 Kreuzer zum Ankauf von Grundstück, Ausbau von Kirche, Pfarrhaus a Friedhof in ©tìchovice in seinem Testament |
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1862 |
Auftakt einer unorganisierten Zusammenholung von Baumaterial, jedoch keine Baugenehmigung vorerst erteilt. |
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1869 |
Das zusammengeholte Baumaterial ist nach und nach verloren gegangen und das Erzbischofsamt in Prag nimmt die Verwaltung über dem Stiftungsfond an. |
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1889 |
Auswahl und Einkauf des Kirchenbaugrundstücks. |
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1905 |
Mit dem Kirchenprojekt wurde der Architekt Kamil Hilbert beauftragt. |
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1907 |
Das Vermögen des Stiftungsfonds ist auf 253.849 Kronen und 34 Heller gewachsen, eine zur Projektrealisierung ausreichende Summe. |
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1911 |
Eröffnung der Kirchenbaustelle |
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7.12.1913 |
Abschluss der Bauarbeiten, vier Glocken wurden auf den Turm hochgezogen und aufgehängt. |
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9.10.1915 |
Der festgesetzte Termin der feierlichen Kircheneinweihung, wegen Hochwasser verschoben. |
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23.10.1915 |
Die Kirche des heiligen Johann von Nepomuk wurde durch den Kardinal Leo von Skrbenský eingeweiht. |
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1918 |
Überreste des Fundators Matìj Rada wurden zu dem Friedhof von ©tìchovice gebracht. |
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Nach einer Textaufstellung aus verschiedenen Quelle vieler Autoren zusammengestellt durch: Daniela Schröffelová
Informace o autorovi: Jiøí
Eliá¹
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Poslední aktualizace:
19. 05. 2005, 17:50:01 +0200